Durch zwei Themen wurde die Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Kiel-Russee zu einer Mischung aus Lob und Tadel: das Löschwasserförderkonzept und die ausstehende Dacherneuerung des Feuerwehrhauses.
"Wir haben es gemacht, aber eigentlich ist es nicht unser Job". So kommentierte Stadtwehrführer Henrik Lehn die Erstellung des Konzeptes für die beiden Kieler Löschwasserförderzüge. Erarbeitet wurde es maßgeblich durch den Russeer Zugführer Arne Beeck. Es macht deutlich, wie wichtig die professionelle Arbeit der Freiwilligen Feuerwehren für Kiel ist. Das Konzept beschreibt erstmalig detailliert, wie eine zuverlässige Löschwasserversorgung über lange Strecken hergestellt wird, wenn das Hydrantennetz vor Ort für größere Brände nicht ausreicht. Eingebunden ist darin auch ein Löschgruppenfahrzeug für den Katastrophenschutz, das Mitte 2011 in Dienst gestellt wurde. Bereits bei seinem ersten Einsatz, ein Dachstuhlbrand an der Waldorfschule, zeigte das Fahrzeug seine Leistungsfähigkeit.
Ein neues Dach noch in diesem Jahr
Ein anderes Thema sorgt nicht für solch positive Stimmen. Die Erneuerung des Daches vom Russeer Feuerwehrhaus steht aus. Bereits für 2011 hatte die Stadt die neue Dacheindeckung nach langem Warten zugesagt. "Ich bin maßlos enttäuscht und weiß nicht, was ich davon halten soll", sagte Maaß. Nach wie vor dringe Wasser in das Büro und den Versammlungsraum. Die Durchführung dieser Maßnahme für 2012 versprachen sowohl Feuerwehrdezernent Gert Meyer als auch die stellvertretende Stadtpräsidentin Dagmar Hirdes. "Kollegen aus den zuständigen Bereichen sagen, dass es dieses Jahr losgehen soll", versicherte Stadtrat Meyer.
125 Jahre Erfahrung
Ein halbes Jahrhundert in der Feuerwehr - für diese außerordentliche Leistung wurden Herbert Albrecht und Horst Meß mit der goldenen Ehrennadel der Russeer Wehr ausgezeichnet. Albrecht war ab 1970 Kassierer der Wehr "und teilweise", so Ortswehrführer Uwe Maaß, "war es sehr schwierig mit ihm. Er hat das Geld zusammengehalten." Horst Meß war stellvertretender Jugendwart und stellvertretender Ortswehrführer. Dank seiner Arbeit in der Werkfeuerwehr bei HDW bekamen die Russeer Kameraden auch die eine oder andere Führung auf den großen Portalkran. "Wenn Horst heute mittwochs nicht da ist, fehlt uns schon sein Gemecker", sagte Maaß mit einem Schmunzeln. Bis heute sind sie der Russeer Wehr treu geblieben und inzwischen als Ehrenmitglieder dabei.
Kamerad Christoph Pries wurde von Meyer für 25 Jahre aktive Dienstzeit geehrt. Bei den Kollegen der Berufsfeuerwehr und auch auf Landesebene gilt er als ausgesprochener Atemschutz-Fachmann. Bereits seit 1992 ist er Gruppenführer.
Werbung für mehr Mitglieder
"Platz eins bei der Mitgliederzahl", lobte Stadtwehrführer Lehn die 70 Kameradinnen und Kameraden im Vergleich mit den neun anderen Wehren in Kiel. Doch Verbesserungsbedarf gibt es bei den Atemschutzgeräteträgern. Die FF Russee braucht mehr Mitglieder, die dafür einsetzbar sind. Die Mitgliederwerbung soll auch in diesem Jahr helfen, die Attraktivität dieses Ehrenamtes für die Bürgerinnen und Bürger zu steigern. Einen Beitrag kann der gedruckte Jahresbericht der Russeer Wehr leisten. Stadtrat Meyer: "Ich habe bei meinen Besuchen der Kieler Wehren viele Jahresberichte gesehen, aber nicht in dieser Qualität." Mit einem Zwinkern fügt er an, dass er sich so einen auch für die Berufsfeuerwehr wünschte. Der Bericht ist auf der Internetseite www.feuerwehr-russee.de zu sehen.
Informationen über das Jahr 2011 sind im Jahresbericht nachzulesen, der hier als pdf-Datei heruntergeladen werden kann.