Seit Anfang des Jahres ist es den Mitgliedern der zehn Kieler Freiwilligen Feuerwehren möglich, sich bei stadtinternen Stellenbesetzungen zu bewerben. „Mit dieser zukunftsweisenden Entscheidung bekennt sich die Landeshauptstadt Kiel eindeutig zu ihrer Freiwilligen Feuerwehr und sieht diese als Teil der Gemeinde“, so Kiels Stadtwehrführer Henrik Lehn.
Im Jahr 2006 waren die Mitgliederzahl der Freiwilligen Feuerwehren auf einem Tiefstand; in den zehn Ortsfeuerwehren waren 475 Frauen und Männer aktiv. Dieses Warnsignal hat der Stadtfeuerwehrverband erkannt und sich gemeinsam mit der Stadtverwaltung und den politische Gremien Kiels intensiv mit den Problemen auseinandergesetzt.
Um belastbares Material zu erheben und Schwerpunkte festzulegen, wurde eine Umfrage unter allen Mitgliedern zur Situation in den Feuerwehren durchgeführt. Ein wesentliches Ergebnis war hier die Problematik mit der Freistellung durch die Arbeitgeber der Feuerwehrleute.
40% der Mitglieder können tagsüber ihren Arbeitsplatz gar nicht oder nur mit großen Problemen verlassen. Doch gerade bei Großeinsätzen werden möglichst viele Einsatzkräfte benötigt. Als weitere Einflussgröße bereitet den Verantwortlichen die demographische Entwicklung größte Sorge. Geling es nicht, diesen negativen Trend zu stoppen und den verfügbaren Mitgliederbestand zu erhöhen, muss das Personal der Berufsfeuerwehr aufgestockt werden. Damit würde der städtische Haushalt in großem Maße belastet werden.
Mit der aktuell beschlossenen Öffnung der internen Stellenbesetzung für Mitglieder der Kieler Freiwilligen Feuerwehren schlägt die Stadt nun zwei Fliegen mit einer Klappe. Bei entsprechender Eignung werden aktive Feuerwehrleute städtische Mitarbeiter und stehen damit, besonders tagsüber, für den Alarmdienst uneingeschränkt zur Verfügung. Und die Verantwortlichen bekennen sich zur Verantwortung als Träger der Feuerwehr und erkennen die Freiwillige Feuerwehr als Teil der Gemeinde an.
„Dies hat Signalwirkung und drückt eine große Anerkennung gegenüber unseren Einsatzkräften aus. Außerdem bestätigt dies unsere Motivation. Schließlich ist die Freiwillige Feuerwehr kein Verein zum Selbstnutz seiner Mitglieder, sondern es stehen Bürgerinnen und Bürger bereit, dem Nächsten zu helfen; ehrenamtlich und uneigennützig“, erläutert Lehn. Besonders in einer Stadt mit einer Berufsfeuerwehr ist die Freiwillige Feuerwehr häufig nicht bekannt. Dies obwohl die aktuell 495 aktive Kieler Mitglieder zu jährlich ca. 400 Einsätzen unterschiedlicher Art alarmiert werden.